Der Fall am
Winklerberg
Es war die letzte Nacht vor der Lese. Der Winklerberg lag still, die Trauben hingen schwer und reif, der Duft von Burgunder hing in der Luft wie ein Versprechen.
Im Keller des Weinguts Flubacher schlummerte er seit zweiundzwanzig Jahren: der 2003er Spätburgunder vom Winklerberg. Letzte Flasche. Bester Jahrgang. Nicht zu kaufen, nicht zu verkaufen. Für einen Moment aufgehoben, der noch kommen würde.
Am nächsten Morgen war sie weg.
Kein eingeschlagenes Fenster. Kein aufgebrochenes Schloss. Nur eine leere Stelle im Regal und auf dem Steinboden eine einzige Spur: eine alte Münze. Abgenutzt. Mit einem Wappen, das niemand kannte.
Christian Flubacher ist ein Frühaufsteher. Noch bevor der erste Traktor anspringt, ist er im Keller – die Stille dort mag er, das ruhige Klima, den Geruch von Holz und altem Stein. Es ist sein Morgenritual, kurz nachzuschauen, ob alles in Ordnung ist.
An diesem Morgen war es nicht in Ordnung.
Er stand lange vor dem leeren Regal. Sagte nichts. Rief dann Lena. Die kam, sah, und verstand sofort. Die Münze nahm keiner in die Hand – irgendetwas sagte ihnen, sie liegen zu lassen, genau so, wie sie gefunden worden war.
Lenas Eltern Elmar und Brigitte waren seit vier Tagen mit dem kleinen Louis im Urlaub – der erste seit zwei Jahren, lange geplant und verdient. Damit war klar: In jener Nacht waren nur Lena und Christian auf dem Weingut. Und drei Gäste.
Die Befragungen begannen noch am selben Vormittag. Drei Personen hatten sich in jener Nacht auf dem Weingut aufgehalten. Drei Menschen, die alle einen Grund gehabt hätten. Was die Ermittlungen ergaben:
Inspektor Bauer schloss Lena und Christian früh aus. Beide hatten keinen Grund, die Flasche zu stehlen, die ihnen gehörte. Lenas Eltern waren nachweislich im Urlaub. Damit blieben drei Personen übrig – die einzigen, die in jener Nacht auf dem Weingut übernachteten. Alle drei hatten Gelegenheit. Alle drei hatten, auf ihre Art, ein Motiv. Und alle drei behaupteten, nichts gehört, nichts gesehen, nichts gewusst zu haben.
Christian hatte nichts angefasst. Er ist kein Ermittler, aber er ist ein genauer Mensch – und irgendetwas sagte ihm, dass die Münze genau dort liegen bleiben sollte, wo er sie gefunden hatte. Lena fotografierte alles mit dem Handy, bevor die Polizei eintraf. Was sie fanden, waren drei Dinge. Nicht viel. Aber vielleicht genug.
Es war kurz nach acht, als Inspektor Bauer seinen Kaffee austrank und sein Notizbuch aufschlug. Drei Gespräche standen auf dem Programm. Drei Menschen, die alle behaupteten, nichts gesehen zu haben. Nichts gehört. Nichts gewusst.
Lena stand dabei, als die Befragungen begannen. Sie sagte nichts. Aber sie hörte zu. Und irgendwo zwischen den Sätzen, zwischen dem, was gesagt wurde und dem, was nicht gesagt wurde, spürte sie es: Einer von ihnen log. Nicht laut. Nicht dramatisch. Sondern so, wie man lügt, wenn man lange geübt hat – fast perfekt. Fast.
Die Aussagen sind protokolliert. Lies sie genau. Ein einziges Detail stimmt nicht.
Waehle deinen Verdaechtigen:
Georg — Der Fremde
Heinrich W. — Der Sammler
Martha S. — Die Nachbarin
Tippe auf einen Namen um die Aufloesung zu sehen.